Happy Birthday, S.A.F.E.!

Die Idee ist im Kreis der SES entstanden. Vor 20 Jahren wurde die Schweizerische Agentur für Energieeffizienz gegründet. Seither fördert S.A.F.E. zusammen mit Wirtschaft, Forschung und Politik die Energieeffizienz. Zeit für einen Blick zurück und voraus auf die nächsten 20 Jahre. Klar ist: Es gibt noch viel zu tun.

Von Felix Nipkow

Die Gründung : Paul Schneiter, Präsident 1998 –1999

E&U: Was war dein persönliches Highlight in deiner kurzen Zeit als Präsident von S.A.F.E.?

Am Anfang ging es um die Gründung der Agentur und darum, dass der Verein überhaupt funktionieren konnte. Ich war nur kurz Präsident, um den Start zu begleiten. Formalitäten wie das Formulieren der Statuten auf einer A4-Seite oder der Handelsregistereintrag mussten erledigt werden. Insofern war das Highlight meiner kurzen Zeit die Gründung selber. Danach war es möglich, aktiv zu werden und mit Partnern wie dem Bundesamt für Energie und anderen zusammenzuarbeiten.

E&U: Was wollte man mit der Gründung von S.A.F.E. erreichen?

Alle Mitglieder von S.A.F.E. kamen von der technischen Seite. Wir wollten nicht Energiepolitik machen wie die SES, sondern konkrete Projekte umsetzen, zum Beispiel im Bereich Beleuchtung. Gemäss dem damals neuen Energiegesetz konnten Agenturen gegründet werden und von Bundesgeldern profitieren. Das wollten wir ausnutzen.

Der Aufbau: Jürg Nipkow, Präsident 1999 – 2008

E&U: Was war dein persönliches Highlight in deiner Zeit als Präsident?

In meiner Zeit wurde S.A.F.E. als Agentur im Sinne des Energiegesetzes anerkannt. Das ermöglichte uns, Vollzugsaufgaben des Bundes wahrzunehmen.

E&U: 2002 wurde S.A.F.E. vom Bund als Agentur anerkannt, was eigentlich nur Vertretern der Wirtschaft möglich war. Wie kam es dazu?

Wir mussten nachweisen, dass wir die Umweltorganisationen in Energiefragen vertreten. Die SES und der WWF waren von Anfang an dabei, bei anderen brauchte es zum Teil intensives Lobbying. Später waren auch die Schweizerische Gesellschaft für Umweltschutz, Greenpeace, Die Stiftung für Konsumentenschutz, Electrosuisse, Impact Energy und die Schweizer Licht Gesellschaft dabei.

E&U: 2000 wurde topten.ch gegründet. Heute ist Topten in 16 europäischen Ländern sowie in China, Chile und Argentinien aktiv und hilft unzähligen KonsumentInnen beim Kauf eines top-effizienten Elektrogeräts. Was macht den Erfolg von Topten aus?

Es war die erste schlaue Einkaufshilfe aus Sicht der Energieeffizienz. Wir hatten eine Vorreiterrolle. Topten war und ist breit aufgestellt mit den meisten Haushalts- und Bürogeräten, Ökoenergie, Mobilität, etc. Wir haben klare und transparente Auswahlkriterien. Ausserdem waren die Ratgeber von topten.ch immer wichtig, in speziellen Fällen sind diese wohl nützlicher als die eigentliche Topten-Liste, zum Beispiel bei Wärmepumpen.

«Energieeffizienz wird nie sexy sein»: Giuse Togni, Präsidentin 2008 – 2018

E&U: Was war dein persönliches Highlight?

Zahlreiche Vorschläge von uns wurden in Gesetzen und Verordnungen aufgenommen, sodass wir die Energiepolitik beeinflussen konnten. Wir hatten sehr gute Projekte mit grosser Wirkung, welche durch Medienauftritte gekrönt wurden.

E&U: In den letzten 10 Jahren wurde viel öfter von erneuerbaren Energien statt Energieeffizienz gesprochen. Entspricht das deiner Wahrnehmung?

Ja. Erneuerbare Energien sind attraktiver als Energieeffizienz. Elektromobilität ist der grosse Hype – diese Themen beanspruchen die Diskussion um Energie. Effizienz war nie speziell beliebt – zum Glück haben wir Technologien wie LED oder automatische Abschaltungen, die die Revolution durch die Hintertür bringen.

E&U: Wie könnte man das ändern?

Man wird das Thema nie sexy machen können. Energieeffizienz, insbesondere im Bereich Strom, lässt sich sehr schlecht visualisieren. Was es bringt, sind Vergleiche, sogenannte Ratings. Das ewz hat den Kunden gezeigt, wie sie beim Stromverbrauch dastehen im Vergleich mit den Nachbarn. Das motiviert, wir wollen besser sein als unsere Nachbarn. S.A.F.E. hat ein Strassenbeleuchtungs-Rating unter den Gemeinden gemacht. Die Veröffentlichung der Kennzahlen hat grosse Wirkung gezeigt, viele Gemeinden wurden dadurch motiviert, ihren Verbrauch zu senken.

E&U: Gibt es Themen, wo es nicht vorwärts geht?

Der Ersatz der Elektroheizungen ist ungelöst. Wir haben in der Schweiz immer noch über 200'000 davon. Das Problem ist, dass der Ersatz teuer ist. Die Leute sind nicht bereit, zu investieren. Die Lösung – den Ersatz verbieten und subventionieren – ist politisch nicht beliebt. In vielen Bereichen geht es aber vorwärts dank immer besserer Geräte, Kühlschränke, Leuchten, Wärmepumpen und so weiter. Dadurch konnte der Stromverbrauch in den letzten 15 Jahren trotz Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum stabilisiert werden.

«Klein und fein bleiben»: Stefan Gasser, Präsident seit 2018

E&U: Du hast das Zepter Anfang Juli übernommen, herzliche Gratulation. Hast du einen Wunsch, was du in deiner Zeit als Präsident feiern möchtest?

Danke. Wir haben im Juli gefeiert, dass wir 20 Jahre lang eine super Arbeit gemacht haben und ein tolles Team sind. Wir haben uns sogar überlegt, ob es uns noch braucht. Es gibt im Effizienzbereich noch viel zu tun, aber in der öffentlichen Debatte konzentriert man sich vor allem auf die Stromproduktion mit erneuerbaren Energien und die Elektromobilität. In den Bereichen wie Motoren, Licht oder Topten, wo wir heute stark sind, werden wir weiter etwas leisten können. Die Arbeit ist nicht erledigt. Mein Ziel als Präsident ist, dass S.A.F.E. klein aber fein bleibt.

E&U: Wo ist das grösste ungenutzte Energieeffizienzpotenzial?

Betrieb ohne Nutzen ist ein Riesenthema, über das aber niemand spricht. Immer mehr Anlagen und Geräte laufen rund um die Uhr, obwohl wir sie während eines grossen Teils der Zeit gar nicht brauchen. So wird die Hälfte des Stroms verschwendet. Das ist enorm viel.

Grosse Potenziale gibt es immer noch bei Beleuchtung und Motoren. Technisch sind wir auf gutem Weg. Man muss aber auf den Rebound-Effekt achten. Effizienz wird mit immer mehr Verbrauch kompensiert, sparsamere Beleuchtung mit mehr Licht.

E&U: Braucht es S.A.F.E. in 20 Jahren noch oder leben wir dann in einer supereffizienten Gesellschaft?

Ich befürchte, wir erreichen das nicht so schnell. S.A.F.E. wird es noch lange brauchen. Die Ziele der Energiestrategie 2050 sind hehr, aber wir werden sie nicht erreichen mit den heute diskutierten Massnahmen. Um den Energieverbrauch wirklich zu reduzieren, reichen Effizienzmassnahmen nicht aus. Es braucht auch ein grundsätzlich anderes Konsumverhalten und Suffizienz.

» Mehr zur Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz S.A.F.E. unter www.energieeffizienz.ch.

 

Der Autor

Felix Nipkow

Felix Nipkow
Leiter Fachbereich erneuerbare Energien

Tel. 044 275 21 28
Mail: felix.nipkow@energiestiftung.ch
Twitter: @FelixNipkow

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