Graue Energie – Schattendasein mit grosser Wirkung

  • Graue Energie macht oft deutlich mehr aus als die Betriebsenergie
  • Deklaration für Graue Energie fehlt
  • Graue Emissionen fallen in der Schweiz stark ins Gewicht

Graue Energie macht oft deutlich mehr aus als die Betriebsenergie: Im Verlauf des Lebenszyklus’ eines Produkts vom Rohstoff zur Produktion über den Transport zum Gebrauch und am Ende zur Entsorgung oder Recycling wird Energie eingesetzt. Oft wird nur die Energie, die beim Gebrauch anfällt, erwähnt, die Betriebsenergie. Der Rest, die sogenannte graue Energie, fällt in Statistiken zwischen Stuhl und Bank, vielen Menschen ist nicht bewusst, dass sie zum Teil deutlich mehr ausmacht als die Betriebsenergie.

Der Schweizer Durchschnittshaushalt konsumiert zwei Drittel des gesamten Energieverbrauchs in Form von grauer Energie, nur ein Drittel wird während der Nutzung eines Gerätes verbraucht. Bei elektronischen Geräten ist das Verhältnis besonders krass: In einem Smartphone stecken rund 220 kWh graue Energie, für den Betrieb fällt ca. 1 kWh pro Jahr an. Im Schnitt sind Smartphones hierzulande nur 18 Monate im Einsatz – es lohnt sich, solche Geräte möglichst lange zu verwenden.

Deklaration für Graue Energie fehlt: Als Faustregel kann folgendermassen gerechnet werden: Pro Franken, der ein Produkt kostet, fällt ungefähr eine Kilowattstunde graue Energie an. Besonders viel graue Energie steckt in Produkten, die nicht aufgrund menschlicher Arbeitsleistung, sondern wegen aufwändig gewonnenen Rohstoffen oder energieintensiven Verarbeitungsprozessen teuer sind. Eine Deklaration für graue Energie – zum Beispiel analog der Energieettikette – fehlt bisher komplett. KonsumentInnen wissen also nicht, wieviel graue Energie in welchen Produkten steckt.

Graue Emissionen fallen in der Schweiz stark ins Gewicht: Für eine stark importabhängige Volkswirtschaft wie die Schweiz fallen die grauen Emissionen entsprechend stark ins Gewicht. Sie erscheinen zwar in kaum einer Statistik, machen aber die vermeintlichen Fortschritte in der Klimabilanz zunichte. Insbesondere lange Transporte werden aufgrund tiefer CO2- und Treibstoffpreise kaum in den Preis eines Produktes einbezogen. In der Energiestatistik des Bundes werden die Exporte abgezogen, die Importe aber nicht einbezogen. Das verfälscht die CO2-Bilanz. Eine CO2-Abgabe auf graue Emissionen könnte Abhilfe schaffen.

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