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Neue AKW gefährden Schweizer Wasserkraft – Studie zeigt massive Ertragseinbussen

Marcel Tobler,

Der Bau neuer Atomkraftwerke in der Schweiz würde die Wasserkraft als Rückgrat der Schweizer Stromversorgung massiv schwächen. Dies belegt eine neue Studie der Fachhochschule Wallis (HES-SO Valais-Wallis): Neue Atomkraftwerke sind ohne jahrelange staatliche Subventionen nicht konkurrenzfähig. Erhalten sie diese jedoch, drängen sie die Wasserkraft aus dem Markt. Die Folge wären jährliche Ertragseinbussen von bis zu einer Milliarde Franken – mit erheblichen Konsequenzen für die Versorgungssicherheit und die Bergregionen.

In einer Studie hat die Fachhochschule Wallis die Auswirkungen neuer Atomkraftwerke auf die Schweizer Stromproduktion aus Wasserkraftwerken modelliert.

Atomkraft: Zu spät, zu teuer und nicht genügend flexibel

Neue Atomkraftwerke sind nicht marktfähig: Gemäss der internationalen Atomenergieagentur IEA erfordern ihre Baukosten Strompreise von 100 bis 145 Franken pro Megawattstunde – ein Niveau, das am Markt kaum erreicht wird. Dieser Befund wurde in einer neuen Modellierung der Fachhochschule Wallis bestätigt: Um die hohen Gestehungskosten zu decken, ist eine Finanzierung ausserhalb des Marktes zwingend. Ohne staatliche Preisgarantien über Jahrzehnte (wie beispielsweise im britischen AKW Hinkley Point C) sind neue Atomkraftwerke in einem Marktumfeld von Erneuerbaren nicht finanzierbar. Doch genau diese Garantien verzerren den Markt und schwächen bisherige Marktteilnehmende wie Wasserkraftwerke.

Wasserkraft als Verliererin der Atomkraft-Förderung

Die Wasserkraft ist heute in der Schweiz für rund 60 Prozent der Stromproduktion verantwortlich und ist zentral für die Winterstromversorgung, Netzstabilität und Flexibilität. Doch neue Atomkraftwerke würden die Grosshandelspreise systematisch drücken: Weil sie dank staatlich garantierter Preise auch bei tiefen Marktpreisen Strom einspeisen, verdrängen sie andere Technologien mit höheren Betriebskosten – vor allem die Wasserkraft.

Die errechneten, jährlichen Ertragseinbussen der verschiedenen Wasserkraft-Typen (zusammen, ganze Schweiz) gestalten sich wie folgt:

Laufwasserkraftwerke
stehen an Flüssen und können die Produktion kaum steuern. Sie produzieren Strom auch dann, wenn die Preise tief sind:

  • Effekt AKW-Neubau: 29 – 42 %
  • Ertragseinbussen pro Jahr: ca. 300 – 440 Mio. Franken

Speicherkraftwerke
Stauseen in den Alpen können ihre Stromproduktion flexibler steuern:

  • Effekt AKW-Neubau: 15 – 19 %
  • Ertragseinbussen pro Jahr: ca. 450 – 600 Mio. Franken

Pumpspeicherkraftwerke
pumpen Wasser in ihre Speicher, wenn der Strom billig ist, und produzieren Strom, wenn er teuer wird:

  • Effekt AKW-Neubau: 4 - 13 %
  • Ertragseinbussen pro Jahr: ca. 2 – 11 Mio. Franken

Besonders betroffen sind Bergkantone wie das Wallis, das Tessin und Graubünden: Sie sind in hohem Masse auf Einnahmen aus der Wasserkraft angewiesen. Sinkende Erträge gefährden dort nicht nur die Finanzkraft der Gemeinden, sondern auch den Ausbau erneuerbarer Energien. Da diese Kantone eine Heimfall-Strategie verfolgen – also planen, in den kommenden Jahrzehnten die meisten Wasserkraftwerke vollständig in kantonale oder kommunale Hand zu übernehmen –, steigt ihre Abhängigkeit weiter an. Doch auch Kantone mit zahlreichen Laufwasserkraftwerken wie Aargau, Bern oder St. Gallen spüren die Auswirkungen deutlich.

Um diese Schwächung auszugleichen, wären auch für Wasserkraftwerke zusätzliche staatliche Stützungsmassnahmen – entweder seitens der Kantone oder des Bundes notwendig. Die Modellierung zeigt die Grössenordnung: Es drohen Umsatzeinbussen von rund einer Milliarde Franken im Jahr.

Neue Atomkraftwerke als Gefahr für die Wasserkraft

«Die Studie belegt: Neue Atomkraftwerke sind ein teures Risiko für die Schweiz. Da sie langfristige Subventionen benötigen, bedrohen sie einheimische Player wie die Wasserkraft, ohne die eine sichere Energiezukunft nicht möglich ist», sagt Nils Epprecht, Geschäftsleiter der Energiestiftung. «Atomkraftwerke würden die Existenzgrundlage der Wasserkraft untergraben. Das ist weder ökologisch noch wirtschaftlich: Die Politik müsste schlussendlich auch die Wasserkraft stärker subventionieren.»

Geschäftsleitung

Nils Epprecht

Geschäftsleiter
Leiter Fachbereich Atomenergie a. i.
+41 44 275 21 21
nils.epprecht@energiestiftung.ch



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