Kupfer, Kobalt & Co: Schweizer Händler produzieren Rohstoffe für die Energiewende
Die Handelsnation Schweiz wiegt inzwischen auch schwer im globalen Minengeschäft. Public Eye hat kürzlich 199 aktive Abbaustätten identifiziert und metergenau kartiert.
von Oliver Classen
Projektleiter Public Eye, Mitglied des Stiftungsrats SES
Schweizer Unternehmen im globalen Bergbau
Die Abbaustätten gehören 25 in Genf, Zug oder Lugano domizilierten Rohstoffunternehmen, die heute – nach Glencore-Vorbild – nicht mehr nur handeln, sondern auch selbst graben, bohren und schürfen: nach alten Klimakillern wie Kohle, zunehmend aber auch nach neuen Transitionsmineralien wie Kupfer und Kobalt.
In jeder dritten «Schweizer Mine» wird weiterhin Kohle gefördert – der schädlichste aller Energieträger. Führend dabei sind Trafigura, Mercuria oder Vale. Gleichzeitig dominieren Schweizer Firmen auch die Förderung jener Rohstoffe, die für die Energiewende zentral sind. So betreiben oder besitzen sie rund 28 Kupferminen, darunter die weltweit produktivste in Chile. In der Demokratischen Republik Kongo (DRK), der mit Abstand grössten Lagerstätte von Kobalt, kontrollieren drei Schweizer Unternehmen über 70 Prozent der Landesproduktion.
Menschenrechts- und Umweltprobleme bleiben bestehen
Die Recherche zeigt aber auch, dass die Förderung dieser Grundstoffe der Energiewende all jene Menschenrechts- und Umweltprobleme reproduzieren, für die der Bergbausektor berüchtigt ist. Aktenkundig sind etwa
- die Missachtung indigener Gemeinschaften in einer guatemaltekischen Nickelmine des Zuger Solway-Konzerns
- die Gefährdung unentdeckter Tiefsee-Ökosysteme durch die Metallförderpläne der Freiburger Allseas
- der fatale Stolleneinbruch bei einer Kobaltmine einer kongolesischen Glencore-Tochter.
Rohstofffluch trotz «grüner» Mineralien
Viele Entwicklungs- und Schwellenländer sind von diesen «grünen» Bodenschätzen existenziell abhängig – zumindest in der Anwendung, nicht jedoch im Abbau. Damit zeigt sich erneut der altbekannte Rohstofffluch. Das beste Beispiel dafür ist wiederum die DRK, deren Regierung für Kobalt dieses Jahr wegen Preiszerfall ein Exportverbot erliess. Das hielt die Minenbetreiber jedoch nicht davon ab, weiter zu produzieren, was natürlich die Weltmarktpreise noch weiter in den Keller trieb. Ein Paradefall für die Konsequenzen der stossenden Machtasymmetrie zwischen Grosskonzernen und einkommensschwachen Produktionsländer.
Politische Lösungen für neue Rohstoffrealitäten
Die neuen Rohstoffe in Schweizer Händen verlangen neue politische Antworten auf alte Statistik- und Transparenzprobleme. Notwendig sind:
- eine systematische Erfassung des Ursprungs aller über Zug oder Genf gehandelten Rohstoffe
- eine wirksame Gesetzgebung zu unternehmerischen Sorgfaltspflichten, wie sie die Konzernverantwortungsinitiative sowie die seit Langem geforderte Rohstoffmarktaufsicht vorsehen
Hier geht's direkt zur Public-Eye-Weltkarte der Schweizer Minen.
Oliver Classen
Mediensprecher und Projektleiter Public Eye, Mitglied des Stiftungsrats SES