Szenarien und Auswirkungen bei Zulassung neuer AKW
Nils Epprecht,
Ausgangslage
- Bundesrat schlägt vor, das Neubauverbot für AKW (Art. 12a KEG) zu streichen.
- Offizielle Begründung fokussiert auf langfristige Chancen.
- Fehlend in der Botschaft: Analyse der Auswirkungen in den nächsten 20 Jahren.
Vorliegende Analyse
Mittels Zukunftsszenarien werden die Effekte für relevante Akteure abgeschätzt:
- Szenario: AKW-Bau bleibt abstrakt; Trotz Öffnung kein Neubauprojekt.
- Szenario: Potenzielles Projekt; AKW geplant, aber mangels Unterstützung nicht umgesetzt.
- Szenario: Konkretes Projekt; Bundes-Finanzierung + Verfahrensbeschleunigung bringen Neubau bis 2045.
Zentrale Ergebnisse
- Neue AKW senken erwartete Marktpreise und erhöhen erwartete Stunden mit Negativpreis-Stunden → Sie verdrängen Erneuerbare aus dem Markt, senken Rendite-Erwartungen und erhöhen deren Finanzierungskosten.
- Die Energiepolitik des Bundes verliert an Fokus und Glaubwürdigkeit, was insb. kleine Investor:innen verunsichert, die über 50 % des Ausbaus verantworten.
- Die Fördereffizienz des Bundes verschlechtert sich; Massnahmen für bessere Investitionssicherheit sind aber teuer oder politisch kaum mehr mehrheitsfähig.
- Ab Szenario 2: Zunehmende Konkurrenz zwischen Erneuerbaren und AKW-Investitionen bei Bund + Kantonen; lähmende Polarisierung in der Energiepolitik.
- Ab Szenario 3: Stark sinkende Marktanreize für Erneuerbare; politische Blockaden; erhöhte, erhebliche finanzielle Risiken für Bund + Kantone.
Quantitative Ergebnisse
- Mittelfristige Versorgungsqualität wird geschwächt: minus 2 bis 3,3 TWh Winterstrom im Jahr 2035, zusätzlich Reserven werden nötig.
- Erneuerbaren-Ausbauziele 2035 gemäss Stromgesetz werden klar verfehlt.
- Klimazwischenziele gemäss Klimaschutzgesetz bis 2040 werden verfehlt.
- Bei AKW-Finanzierung: Stromkosten steigen um 5 % (+500 CHF/Jahr) für ein mittleres Unternehmen bzw. 4 % (+40 CHF/Jahr) für einen mittleren Haushalt.
Empfehlung
AKW-Neubauverbot erhalten, um Erneuerbaren-Ausbau zu gewährleisten.