AKW gefährden Wasserkraft

Nils Epprecht,

Die Schweizer Energiepolitik steht vor der entscheidenden Frage: Soll die Schweiz neue Atomkraftwerke bauen oder die Erneuerbaren ausbauen? Eine Politikfolgenabschätzung der Energiestiftung zeigte: Beides geht nicht. Eine neue Studie belegt, dass vor allem die Wasserkraft in Gefahr ist.

Neue AKW sind extrem teuer – das letzte französische AKW kostete rund 25 Milliarden Franken – und das Geld fehlt dann für die Erneuerbaren, die ebenfalls auf Förderung angewiesen sind.

Bundesrat Rösti widerspricht: Es gehe nicht um «Entweder ... oder», sondern um «sowohl als auch». Der Bund werde den Ausbau der Erneuerbaren weiterhin unterstützen. Doch was bedeutet das konkret? Die Fachhochschule Wallis (HES-SO) hat dies mit Unterstützung der Energiestiftung untersucht. Die Forschenden um Stéphane Genoud verglichen die Situation mit Spanien: Dort erzeugen Grosskraftwerke wie Wasser- und Gaskraftwerke oder alte AKW etwa 50 Prozent des Stroms, während gleichzeitig ein hoher Anteil an günstigem, aber volatil einspeisendem Solar- und Windstrom besteht.

Ein Zustand, wie er in der Schweiz in 10 bis 15 Jahren zu erwarten ist. Die Forschenden fügten dem Modell zwei neue AKW hinzu. Das Ergebnis: Neue AKW sind nur dann konkurrenzfähig, wenn der Staat nicht nur ihren Bau, sondern auch ihren Betrieb subventioniert. Da es sinnlos wäre, AKW zu bauen, die dann nicht ans Netz gehen, testeten die Forschenden verschiedene Modelle inklusive Subventionen für den Betrieb.

Das Ergebnis: Subventionierte AKW, die das ganze Jahr über produzieren, verdrängen im Modell nicht die günstige Solar- oder Windenergie, sondern vor allem die teurere Wasserkraft, die in der Schweiz 60 Prozent des Strommixes ausmacht. Besonders betroffen wären unflexible Laufwasserkraftwerke, die bis zu 42 Prozent ihrer Einnahmen verlören. Auch Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke würden einbüssen. Insgesamt drohen der Wasserkraft jährliche Verluste von bis zu einer Milliarde Franken.

Die Schlussfolgerung der Forschenden: Will die Schweiz neue AKW, müsste sie deren Betrieb subventionieren – und gleichzeitig die Wasserkraft unterstützen. Zu den zig Milliarden Franken Baukosten kämen jährlich über eine Milliarde Franken für den Betrieb der Atom- und der Wasserkraftwerke hinzu. Eine teure Rechnung für die Steuerzahlenden – und eine Bedrohung für die etablierte, erneuerbare Wasserkraft.

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Nils Epprecht

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