Verlorene Klima-Investitionen: Verkehrspolitik à la Rosengarten

Am 9. Februar 2020 stimmt der Kanton Zürich über das Projekt Rosengartentunnel ab. Eine klimapolitische Einschätzung von Florian Brunner, Leiter Fachbereich Klima bei der SES.

Mit dem Pariser Klimaübereinkommen hat sich die Schweiz verpflichtet, bis 2030 ihren Treibhausgasausstoss gegenüber 1990 zu halbieren. Aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse hat der Bundesrat zudem entschieden, dass die Schweiz bis 2050 nicht mehr Treibhausgase ausstossen soll, als natürliche und technische Speicher aufnehmen können. Das bedeutet Netto-Null Emissionen bis zum Jahr 2050.

Der Verkehr steht als grösster Verursacher von Treibhausgasen ganz besonders in der Pflicht, seinen Beitrag zur Erfüllung der Klimaziele zu leisten. Die Zukunft von Verkehr und Mobilität steht heute folglich unter einem ganz anderen Stern als früher. Kleinere, emissionsärmere Fahrzeuge wären bereits vorhanden, der Autobesitz in den Städten geht zurück und die Zukunft verspricht uns geteilte und fahrerlose Fahrzeuge. Lautete das Allheilmittel gegen den drohenden Verkehrskollaps bisher Kapazitätsausbau, so sollte man spätestens heute die Verkehrsprobleme grundlegend anders angehen. Denkt man das Schweizer Klimaziel «netto null CO2» bis 2050 konsequent zu Ende, dann führt an einer radikalen Veränderung unserer alltäglichen Mobilität kein Weg vorbei: Verkehrs- bzw. klimapolitische Herausforderungen lassen sich weder mit mehr Strassen und Tunnels noch mit mehr elektrischen Fahrzeugen auf gleich vielen Strassen lösen. Was es braucht, ist eine Reduktion der gefahrenen Kilometer und ein Umstieg auf effizientere Verkehrsträger. Öffentliche Verkehrsmittel, Velowege und Begegnungszonen werden dominieren.

Wertlose Investitionen

Wie bleiben wir also in Zukunft in Bewegung, ohne den Planeten zu ruinieren? Diese Frage stellt sich am 9. Februar 2020 beispielhaft bei der kantonalen Abstimmung über das Rosengartenprojekt. Die Berichterstattung lässt die Frage nach der Klimarelevanz allerdings vermissen. Die Verkehrspolitik mit Rezepten aus der Vergangenheit soll unverändert weitergeführt werden. Die Vorlage widerspricht damit allen klimapolitischen Zielen von Stadt, Kanton und Land.

Eine Verbesserung der Verkehrssituation schweizweit und auch am Rosengarten ist wünschenswert. Doch speziell bei diesem Projekt wird deutlich, dass hier nicht Mobilität für die Quartiere ermöglicht, sondern eine Verkehrspolitik zementiert wird, die anachronistisch anmutet: Freie Fahrt für möglichst viele Autos mitten ins Zentrum der Stadt. Ein Wille zur Kapazitätsbegrenzung ist nicht erkennbar. Mehr Beton und Asphalt sollen das Problem lösen, Infrastruktur die uns in einem System gefangen hält, aus dem wir raus müssen. Das viele Geld für dieses Infrastrukturprojekt ist auch aus Klimasicht verlorenes Geld, es sollte besser in den Ausbau einer zukunftsweisenden Mobilität investiert werden

Reduzierte Fahrkilometer

Um die Klimaziele zu erreichen, muss der private Verkehr in den nächsten zehn Jahren abgebaut werden. Was es braucht, sind Massnahmen wie Spurabbau zugunsten des Velo- und Busverkehrs, Tempolimit 30, Fussgängerstreifen oder ein Nachtfahrverbot für Lastwagen - gerade am Rosengarten liesse sich das rasch und kostengünstig umsetzen. Die Vergangenheit hat gezeigt: Jede neue Strasse und jeder neue Tunnel führt in kurzer Zeit zu Mehrverkehr. Spätestens in Zeiten der Klimadiskussion sollte uns aber bewusst sein, dass der Individualverkehr nicht in die Stadt gehört. Auch das Rosengartenprojekt führt zu Mehrverkehr, spürbar bis aufs Land hinaus. Daher muss auch aus kantonaler Sicht klar sein, dass dieses Projekt alles andere als zukunftsweisend ist, sondern teuer, unsinnig und komplett aus der Zeit gefallen. Es muss anders gehen.

 

Florian Brunner

Florian Brunner
Leiter Fachbereich Klima

Tel. 044 275 21 24
Mail: florian.brunner@energiestiftung.ch
Twitter: @flo_brunn

Zurück

Verlorene Klima-Investitionen: Verkehrspolitik à la Rosengarten

Am 9. Februar 2020 stimmt der Kanton Zürich über das Projekt Rosengartentunnel ab. Eine klimapolitische Einschätzung von Florian Brunner, Leiter Fachbereich Klima bei der SES.

Mit dem Pariser Klimaübereinkommen hat sich die Schweiz verpflichtet, bis 2030 ihren Treibhausgasausstoss gegenüber 1990 zu halbieren. Aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse hat der Bundesrat zudem entschieden, dass die Schweiz bis 2050 nicht mehr Treibhausgase ausstossen soll, als natürliche und technische Speicher aufnehmen können. Das bedeutet Netto-Null Emissionen bis zum Jahr 2050.

Der Verkehr steht als grösster Verursacher von Treibhausgasen ganz besonders in der Pflicht, seinen Beitrag zur Erfüllung der Klimaziele zu leisten. Die Zukunft von Verkehr und Mobilität steht heute folglich unter einem ganz anderen Stern als früher. Kleinere, emissionsärmere Fahrzeuge wären bereits vorhanden, der Autobesitz in den Städten geht zurück und die Zukunft verspricht uns geteilte und fahrerlose Fahrzeuge. Lautete das Allheilmittel gegen den drohenden Verkehrskollaps bisher Kapazitätsausbau, so sollte man spätestens heute die Verkehrsprobleme grundlegend anders angehen. Denkt man das Schweizer Klimaziel «netto null CO2» bis 2050 konsequent zu Ende, dann führt an einer radikalen Veränderung unserer alltäglichen Mobilität kein Weg vorbei: Verkehrs- bzw. klimapolitische Herausforderungen lassen sich weder mit mehr Strassen und Tunnels noch mit mehr elektrischen Fahrzeugen auf gleich vielen Strassen lösen. Was es braucht, ist eine Reduktion der gefahrenen Kilometer und ein Umstieg auf effizientere Verkehrsträger. Öffentliche Verkehrsmittel, Velowege und Begegnungszonen werden dominieren.

Wertlose Investitionen

Wie bleiben wir also in Zukunft in Bewegung, ohne den Planeten zu ruinieren? Diese Frage stellt sich am 9. Februar 2020 beispielhaft bei der kantonalen Abstimmung über das Rosengartenprojekt. Die Berichterstattung lässt die Frage nach der Klimarelevanz allerdings vermissen. Die Verkehrspolitik mit Rezepten aus der Vergangenheit soll unverändert weitergeführt werden. Die Vorlage widerspricht damit allen klimapolitischen Zielen von Stadt, Kanton und Land.

Eine Verbesserung der Verkehrssituation schweizweit und auch am Rosengarten ist wünschenswert. Doch speziell bei diesem Projekt wird deutlich, dass hier nicht Mobilität für die Quartiere ermöglicht, sondern eine Verkehrspolitik zementiert wird, die anachronistisch anmutet: Freie Fahrt für möglichst viele Autos mitten ins Zentrum der Stadt. Ein Wille zur Kapazitätsbegrenzung ist nicht erkennbar. Mehr Beton und Asphalt sollen das Problem lösen, Infrastruktur die uns in einem System gefangen hält, aus dem wir raus müssen. Das viele Geld für dieses Infrastrukturprojekt ist auch aus Klimasicht verlorenes Geld, es sollte besser in den Ausbau einer zukunftsweisenden Mobilität investiert werden

Reduzierte Fahrkilometer

Um die Klimaziele zu erreichen, muss der private Verkehr in den nächsten zehn Jahren abgebaut werden. Was es braucht, sind Massnahmen wie Spurabbau zugunsten des Velo- und Busverkehrs, Tempolimit 30, Fussgängerstreifen oder ein Nachtfahrverbot für Lastwagen - gerade am Rosengarten liesse sich das rasch und kostengünstig umsetzen. Die Vergangenheit hat gezeigt: Jede neue Strasse und jeder neue Tunnel führt in kurzer Zeit zu Mehrverkehr. Spätestens in Zeiten der Klimadiskussion sollte uns aber bewusst sein, dass der Individualverkehr nicht in die Stadt gehört. Auch das Rosengartenprojekt führt zu Mehrverkehr, spürbar bis aufs Land hinaus. Daher muss auch aus kantonaler Sicht klar sein, dass dieses Projekt alles andere als zukunftsweisend ist, sondern teuer, unsinnig und komplett aus der Zeit gefallen. Es muss anders gehen.

 

Florian Brunner

Florian Brunner
Leiter Fachbereich Klima

Tel. 044 275 21 24
Mail: florian.brunner@energiestiftung.ch
Twitter: @flo_brunn

Zurück