Umweltbelastung aus der Energieproduktion der vier grössten Schweizer Stromversorger 2017

Umweltbelastung aus der Energieproduktion der vier grössten Schweizer Stromversorger 2017

Juli 2018 - In einer Kurzstudie hat die Schweizerische Energie-Stiftung den Strommix 2017 der grössten Schweizer Energieversorger analysiert.

Untersucht wurden CO2-Emissionen, Umweltbelastung sowie die Menge an radioaktivem Abfall aller Kraftwerke im In- und Ausland. Insgesamt fallen mehr als zwei Drittel der Stromproduktion in umweltbelastenden Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken an. Zudem ist der Anteil an CO2-emittierender Stromproduktion in den letzten Jahren bei allen Versorgern klar angestiegen. Besonders die Stromproduktion aus Erdgas stieg beträchtlich an. Die Produktion aus erneuerbaren Energien ist hingegen gesunken. Die vier grossen Schweizer Stromversorger haben damit im Vergleich zum durchschnittlichen Schweizer Produktionsmix überdurchschnittlich viel fossile aber auch nach wie vor nukleare Kraftwerke.

Beurteilung

Die Resultate zeigen: Die vier grossen Stromversorger weisen mit ihrem Kraftwerkspark einen klar umwelt- und klimabelastenderen Produktionsmix auf als der Schweizer Produktionsmix.

Trotz einer Mehrproduktion bei den neuen erneuerbaren Kraftwerken um gut 7% ist der Strommix der vier EVU im Vergleich zu 2016 insgesamt fossiler geworden. Hauptgrund ist die gesteigerte Stromproduktion aus Gaskraftwerken, insbesondere in Italien, aber auch in Spanien und Ungarn. Die etwas höheren Strompreise führten generell zu einem vermehrten Einsatz der Gaskraftwerke, da sie häufiger rentabel betrieben werden konnten. Verschiedene Spezialfälle in einzelnen EU-Ländern verstärkten diesen Effekt: So fielen in Frankreich aufgrund technischer Probleme 2017 über 25 Reaktoren ungeplant aus, weshalb die Stromproduktion vor allem im stromintensiven Winterhalbjahr zwecks Stromexport nach Frankreich in ganz Europa zusätzlich finanziell interessant war. Speziell die italienischen Gaskraftwerke hatten gemäss Repower auch aufgrund der hohen Sommertemperaturen und des dadurch erhöhten Stromverbrauchs eine Mehrproduktion zu verzeichnen. Ausfälle der Konkurrenz verstärkten die Nachfrage nach Strom aus den funktionstüchtigen Kraftwerken zusätzlich.

Umgekehrt sank der Anteil an erneuerbar produziertem Strom. Ein Grund dafür waren die gemäss Informationen der Alpiq tieferen Zuflüsse in die Wasserkraftwerke aufgrund niedrigerer Niederschlagsmengen. Wie ein Blick auf die Schweizerische Elektrizitätsstatistik zeigt, gilt diese Situtation jedoch nicht gesamtschweizerisch, wo die Stromproduktion aus Wasserkraft insgesamt zunahm. Auf der anderen Seite wurden gerade im Inland kaum neue erneuerbare Kapazitäten erstellt. Dies lag wohl vor allem an der Blockade bei den Fördergeldern und den dadurch fehlenden Anreizen für Investitionen. Die Stromproduktion aus Photovoltaik spielt mengenmässig bisher bei allen Versorgern keine Rolle.

Zuletzt sank auch der Anteil an nuklearer Stromproduktion: Die Schweiz hatte 2017 die (Teil-) Ausfälle von Beznau I und Leibstadt zu verzeichnen. Auf den gesamteuropäischen Strommarkt hatte dies jedoch nur marginale Effekte. Die verminderte nukleare Stromproduktion der Schweiz war nur von vorübergehender Natur: Der Reaktor Beznau I ging im März 2018 wieder ans Netz, ebenfalls ist der aufgrund fehlerhafter Brennstäbe oft ausgefallene Reaktor Leibstadt seit Februar 2017 wieder am Netz.

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Weitere Informationen

Moritz Bandhauer

Moritz Bandhauer

SES-Projektleiter Strommix 2017
Tel. 044 275 21 29 
Mail: moritz.bandhauer@energiestiftung.ch

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Valentin Schmidt

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