Energiestrategie 2050: Zwischenbilanz beim Ausbau neuer erneuerbarer Energien

Analyse und Ausblick zur Mittelverwendung aus dem Netzzuschlag

Studie «Energiestrategie 2050: Zwischenbilanz beim Ausbau neuer erneuerbarer Energien»

November 2019 - Die SES präsentiert eine neue Studie von Dr. Rudolf Rechsteiner, die verschiedene Massnahmen zur Stärkung der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien vorschlägt. Dies ist nötig für die Erreichung des Netto-Null-Ziels des Bundesrats. Die innovativen Vorschläge sind kostengünstig, können rasch umgesetzt werden und berücksichtigen den Schutz der Landschaft. Die Versorgungssicherheit wird so auch bei einer Elektrifizierung von Verkehr und Wärmeversorgung dank inländischer Erzeugung gestärkt.

Im Mai 2017 haben die Stimmberechtigten der Energiestrategie 2050 zugestimmt, die unter anderem vorsieht, die Stromproduktion der Atomkraftwerke durch Strom aus neuen erneuerbaren Energien zu ersetzen oder mit Effizienzmassnahmen wettzumachen.

Die vorliegende Studie analysiert die Umsetzung der Massnahmen im Energiegesetz. Die Resultate zeigen:

  • 2018 sind die Einnahmen aus dem Netzzuschlag um 410 Mio. CHF auf 1,14 Mrd. CHF angestiegen. Dennoch hat sich der Ausbau der erneuerbaren Energien abgeschwächt und wuchs nur um 7,2% gegenüber dem Vorjahr. Das ist die tiefste Wachstumsrate seit Beginn der Einspeisevergütungen (2009).
  • Die Entwicklung verlief nach Technologie unterschiedlich: Die Inbetriebnahme von neuen Kapazitäten mit Wasserkraft, Windenergie und Biomasse stagnierte oder entwickelte sich gar rückläufig.
  • Bei der Photovoltaik wurde der Abbau der Warteliste beschleunigt. Dies führte aber nicht zu einem starken Schub bei den Neuinstallationen, da zuerst alte Gesuche von Anlagen, deren Inbetriebnahme vor vielen Jahren stattfand, abgerechnet werden mussten. Die PV-Neuinstallationen beliefen sich 2018 bloss auf 265 MW (+9% im Vergleich zum Vorjahr).

In diesem Tempo werden die Ziele der Energiestrategie 2050 und erst recht die Klimaziele des Bundesrates verfehlt. Der bisher hohe Eigenversorgungsgrad der Schweiz wird ohne verbesserte Massnahmen absinken, denn zusätzlich zum Ersatz der Atomkraftwerke zeichnet sich ein erheblicher Stromzusatzbedarf für die Dekarbonisierung im Mobilitäts- und Gebäudebereich ab.

Gemessen an den Kosten lieferte die Photovoltaik 2018 den effizientesten Ausbaupfad. Bei grossen Anlagen liegen die Potenziale aber weitgehend brach, obwohl die Gestehungskosten hier mittels Ausschreibungen für Marktprämien anstelle der Einmalvergütung stark gesenkt werden könnten, wie unzählige Beispiele im Ausland illustrieren. Dies führt zu einer «Effizienzlücke»: Ausgerechnet für kostengünstige, grosse Anlagen ohne Eigenverbrauch – also für den billigsten neuen Strom unter allen neuen Technologien – gibt es in der Schweiz keine hinreichenden Rahmenbedingungen, die eine wettbewerbsfähige Erzeugung im Vergleich mit dem angrenzenden Ausland ermöglichen würde. Dasselbe gilt für die Stromerzeugung im Winterhalbjahr: Sie könnte mittels Photovoltaik stark erhöht werden – und dies günstiger als mit neuer Wasserkraft, aber es fehlen die Anreize dafür.

Denkbar ist, für Anlagen an bestimmten Standorten einen «Solarzins» einzuführen. Das Erfolgsmodell Wasserkraft, bei der Standortkantone/-gemeinden an den Erträgen beteiligt sind, kann für die Photovoltaik als Vorbild dienen. Ein Solarzins könnte die Verabschiedung von Richtplänen beschleunigen.

Ein Stau besteht auch bei «normalen» Dachanlagen. Administrative Hürdenverlangsamen den Ausbau:

  • Bildung von hohen Reserven im Netzzuschlagsfonds anstelle einer höheren PV-Finanzierung.
  • Fokus auf Einmalvergütungen mit Eigenverbrauch und dadurch geringe Anreize für günstige Grossanlagen.
  • Hohe Bewilligungshürden und fehlender Zugang zu Stellflächen auf bestehenden Infrastrukturanlagen.

 

Dokumentation

 

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Felix Nipkow

Felix Nipkow
Leiter Fachbereich erneuerbare Energien

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Mail: felix.nipkow@energiestiftung.ch
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