White Paper: 5 Jahre Energiestrategie 2050

Valentin Schmidt,

Mai 2022 - Am 21. Mai 2017 sagte die Schweizer Bevölkerung mit fast 60% Ja zu einer ökologischen Transformation, der Energiestrategie 2050. In diesem White Paper macht die SES einen Rück- und einen Ausblick: Wo steht die Energiewende?

Am 21. Mai 2017 sagte die Schweizer Bevölkerung mit 58.2% Ja zu einer Totalrevision des Energiegesetzes. Die damit verbundene Botschaft ging jedoch weit über das eigentliche Gesetz hinaus: Die Revision wurde als Auftakt zur einer neuen «Energiestrategie 2050» verstanden – die grosse ökologische Transformation der Schweizer Energieversorgung. Vom damaligen ganzheitlichen Visionscharakter der Strategie ist bereits fünf Jahre später nicht mehr viel übriggeblieben, die aktuelle Debatte wird durch einen kurzfristigen Fokus auf einzelne Teilbereiche einer nachhaltigen Energieversorgung dominiert.

Zwischenziele erreicht

Eine erste Erfolgskontrolle zeigt zwar: Die im Rahmen des ersten Massnahmenpakets zur Energiestrategie 2050 festgelegten Ziele für das Jahr 2020 wurden allesamt erreicht: Rückgang des Energieverbrauchs um 12% (bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum von 20%) gegenüber dem Jahr 2000. Ausbau der erneuerbaren Energien um fast 5 Terawattstunden, wobei der Ausbau von Wind- und Wasserkraft sowie Geothermie unter den Erwartungen blieb, von Solarenergie dafür viel höher ausfiel. Dazu die Stilllegung eines ersten Schweizer Atomkraftwerks.

Energiewende unter veränderten Vorzeichen

Die vorliegende Analyse fällt jedoch ein kritischeres Fazit darüber, ob diese Zielsetzungen zeitgemässen Ansprüchen an eine ganzheitlich nachhaltige Energieversorgung nach wie vor genügen. Dies umso mehr, als das zweite Massnahmenpaket mit einer Klima- und Energielenkungsabgabe bereits 2017 ersatzlos gestrichen wurde. Insbesondere beim Klimawandel, aber auch bei der Versorgungssicherheit, haben sich die Randbedingungen in den letzten fünf Jahren verändert und sprechen für einen viel rascheren Ausbau von erneuerbaren Energien im Inland. Dies sind aber nur die offensichtlichsten Veränderungen, die ihrerseits den umfassenden Blick auf weitere, bisher zu wenig adressierte Problemfelder einer ganzheitlichen Energieversorgungsvision zu verstellen drohen. Dazu gehört der Fokus auf den Gesamtenergiebedarf, inklusive Energieverbrauch im Ausland, ökologische Herausforderungen wie die Bedrohung der Artenvielfalt oder die Möglichkeit eines atomaren Unfalls sowie die gesellschaftliche Akzeptanz der Transformation.

Empfehlungen

Drei Handlungsstrategien können dazu beitragen, mittelfristig gleich mehrere dieser «blinden Flecken» der aktuellen Energiestrategie 2050 anzugehen:

  • Mit der eingeleiteten Solarifizierung durchstarten,
  • Instrumente implementieren, die den Ausstieg aus den fossilen und nuklearen Energiequellen adressieren, terminieren und sozial- und wirtschaftspolitisch abfedern, sowie
  • Anreize, die dazu beitragen, den Energieverbrauch strukturell zu vermindern, in die Politikstrategien des Bundes und der Kantone betreffend Verkehr, Raum- und Ortsplanung, Wohnen, Konsum, usw. integrieren.

Die Dringlichkeit der diversen Herausforderungen spricht dafür, diese Handlungsfelder parallel anzugehen und die dafür nötigen Politiken rasch zu implementieren.

Fachbereich Klima & erneuerbare Energien

Léonore Hälg

Co-Leiterin Fachbereich Klima & erneuerbare Energien
+41 44 275 21 24
leonore.haelg@energiestiftung.ch
@LeoHaelg



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