Energieperspektiven: Umweltverbände fordern Umsetzung bereits bis 2035

Felix Nipkow,

Die Umweltallianz - darunter auch die SES - begrüsst, dass der Bund in den neu aufgelegten Energieperspektiven 2050+ erstmals überhaupt ein Klimaszenario «Netto Null» modelliert hat. Aus Sicht der Umweltverbände müssen die angestrebten Treibhausgasreduktionen jedoch viel schneller erreicht werden, als es die Szenarien vorsehen. Die grössten Potenziale zur Eindämmung der Klimakrise liegen bei der Reduktion des Energieverbrauchs und dem Ausbau der Photovoltaik. Dieser Ausbau soll im Einklang mit dem Schutz der Biodiversität erfolgen.

Mit dem heute publizierten technischen Bericht liefert das Bundesamt für Energie das Abschlussdokument zu den Energieperspektiven 2050+. Erstmals bilden Szenarien die Zielsetzungen der Energie- und der Klimapolitik gemeinsam ab. Gleichzeitig zeigen die Perspektiven auf, dass der Umbau der Schweizer Energieversorgung und das Erreichen des gesteckten Netto-Null-Ziels für Treibhausgasemissionen technisch möglich und auch finanzierbar ist. Das ist wichtig und wird von den Mitgliedorganisationen der Umweltallianz – den grossen Umweltverbänden Greenpeace Schweiz, Pro Natura, VCS, WWF Schweiz und ihren Partnerorganisationen Alpen-Initiative, BirdLife Schweiz und der SES – begrüsst. Aus ihrer Sicht muss die Transformation im Energiesektor jedoch doppelt so rasch erfolgen. Gefragt sind Lösungen, welche die Klimakrise entschärfen, sowie eine intelligente räumliche Planung, die neben der Energieversorgung auch den Erhalt der Biodiversität langfristig sichert.

Netto Null kommt zu spät

Die Energieperspektiven sind auf eine späte Punktlandung mit Netto-Null-Emission im Jahr 2050 optimiert worden. Die daraus resultierenden kumulierten CO2-Emissionen bis 2050 sind jedoch viel zu hoch angesichts des CO2-Budgets, das verbleibt, damit die weltweite Erwärmung 1.5 Grad nicht übersteigt. Auch sind der Flugverkehr, der Import von grauen Emissionen oder die Hebel der Schweiz, um den internationalen CO2-Ausstoss zu senken, in den Szenarien nicht berücksichtigt. Selbst 2050 sollen weiterhin 12 Millionen Tonnen Treibhausgase produziert werden, die dann aufwändig aufgefangen werden müssen. «Was wir jetzt brauchen, ist ein Politikplan für den Energiesektor, der sich an den Grössenordnungen der Energieperspektiven orientiert, diese aber bereits 2035 herbeiführt», fordert Patrick Hofstetter, Klimaexperte beim WWF Schweiz.

Tempo bei Effizienz und Solarausbau erhöhen

«Die Energieperspektiven 2050+ zeigen, dass es geht», so der Kommentar von Felix Nipkow, Leiter Fachbereich erneuerbare Energien bei der SES. «Damit die Schweiz die Pariser Klimaziele erreicht und gleichzeitig eine sichere Stromversorgung aufrechterhält, müssen wir uns aber viel schneller von den fossilen Energien verabschieden.» Für die Umsetzung des Netto-Null-Ziels gilt es, sämtliche Energieeffizienzpotentiale intelligent zu nutzen und die erneuerbare Stromproduktion bis 2035 in der Grössenordnung von rund 40 Terawattstunden auszubauen. Die hohen Potentiale, die Akzeptanz sowie die Verträglichkeit mit dem Erhalt der Biodiversität sprechen dafür, dass die Solarenergie den grössten Teil dieses Ausbaus leisten kann und muss.

An diesen Leitlinien müssen die Parlamentarier:innen sich bei ihren Entscheiden zu den zentralen, 2022 anstehenden Gesetzesvorlagen wie dem Mantelerlass für eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien, der Gletscherinitiative und der Teilrevision des CO2-Gesetzes orientieren.

Fachbereich Energiesuffizienz & Klima

Felix Nipkow

Leiter Fachbereich Energiesuffizienz & Klima
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