Lob und Tadel im Fall Beznau

Auf den morgigen St. Nikolaustag fällt just der 1000ste Tag, an dem das AKW Beznau I aufgrund von Sicherheitsproblemen stillsteht. Was würde im goldenen Buch des heiligen St. Nikolaus dazu stehen? Die SES zieht Bilanz.

Unregelmässigkeiten im Reaktordruckbehälter ausser Betrieb. Rund 950 Risse von 5 – 6 Millimeter Grösse wurden bei Ultraschallmessungen in dessen Stahl gefunden. Und: Die wichtigste Komponente im Reaktor kann nicht ausgetauscht werden. Die Betreibergesellschaft Axpo und die Atomaufsichtsbehörde ENSI sind sich seither uneins darüber, ob das AKW noch sicher ist und wieder in Betrieb gehen kann. Am morgigen 6. Dezember 2017 steht das betriebsälteste Schweizer AKW seit genau 1000 Tagen still.

Lob für die Atomaufsicht

In der Causa Beznau I muss der Samichlaus heute das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI loben. In der Vergangenheit oft auch von Seiten der SES als betreiberfreundlich kritisiert, bleibt die Atomaufsichtsbehörde in diesem Fall standhaft und gewichtet die Sicherheit der Bevölkerung erfreulicherweise höher als die ökonomischen Interessen der Betreiberin. Das gibt eine grosse Handvoll Nüsse und Birnen – auch damit das ENSI im nächsten Jahr genügend Kraft aufbringt, um für die Betreiber unbeliebte Entscheide zu fällen!

Tadel für die Betreiberin

Tadeln muss der Samichlaus hingegen die Axpo, die sich weiterhin weigert, den Tatsachen in die Augen zu sehen. Ihr Verhalten ist insofern verständlich, als die Axpo erst vor einigen Jahren rund 700 Mio. CHF in die Nachrüstung des Werks investiert hat und für diese Investitionen wenigstens einen Teil des Geldes wieder einspielen will. Zudem hat der Stillstand der Anlage seither weitere Verluste von über 300 Mio. CHF generiert. Doch es ist für den Samichlaus kein Zeichen von Stärke, wenn überfällige Entscheide «Systemzwängen» untergeordnet werden. Gerade von der grössten Energieversorgerin des Landes, die zu 100% der Bevölkerung gehört, kann erwartet werden, dass sie endlich Verantwortung übernimmt und den überalterten Problemreaktor stilllegt.

Nächstes Jahr besser machen

Ins Gewissen redet der Samichlaus auch der Politik. Der gesetzliche Grundsatz «Weiterbetrieb solange sicher» erweist sich im Umgang mit dem ältesten AKW-Park der Welt zunehmend als ungenügend. Der Gesetzgeber bewirkt damit im Fall Beznau, dass die Verantwortung wie eine heisse Kartoffel weitergereicht wird, und verhindert einen geordneten Ausstieg aus der Atomenergie. Eine Regelung analog der «2 year outage» in Frankreich, welche für AKW nach zwei Jahren Stillstand den Entzug der Betriebsbewilligung vorsieht, könnte auf einfache Art und Weise Abhilfe schaffen. Der Samichlaus wünscht sich von der Politik, dass sie im nächsten Jahr die Probleme angeht und nicht weiter negiert.

 

Weitere Informationen

Nils Epprecht

Nils Epprecht
Projektleiter Strom & Atom

Tel. 044 275 21 25
Mail: nils.epprecht@energiestiftung.ch
Twitter: @nepprecht

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Lob und Tadel im Fall Beznau

Auf den morgigen St. Nikolaustag fällt just der 1000ste Tag, an dem das AKW Beznau I aufgrund von Sicherheitsproblemen stillsteht. Was würde im goldenen Buch des heiligen St. Nikolaus dazu stehen? Die SES zieht Bilanz.

Unregelmässigkeiten im Reaktordruckbehälter ausser Betrieb. Rund 950 Risse von 5 – 6 Millimeter Grösse wurden bei Ultraschallmessungen in dessen Stahl gefunden. Und: Die wichtigste Komponente im Reaktor kann nicht ausgetauscht werden. Die Betreibergesellschaft Axpo und die Atomaufsichtsbehörde ENSI sind sich seither uneins darüber, ob das AKW noch sicher ist und wieder in Betrieb gehen kann. Am morgigen 6. Dezember 2017 steht das betriebsälteste Schweizer AKW seit genau 1000 Tagen still.

Lob für die Atomaufsicht

In der Causa Beznau I muss der Samichlaus heute das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI loben. In der Vergangenheit oft auch von Seiten der SES als betreiberfreundlich kritisiert, bleibt die Atomaufsichtsbehörde in diesem Fall standhaft und gewichtet die Sicherheit der Bevölkerung erfreulicherweise höher als die ökonomischen Interessen der Betreiberin. Das gibt eine grosse Handvoll Nüsse und Birnen – auch damit das ENSI im nächsten Jahr genügend Kraft aufbringt, um für die Betreiber unbeliebte Entscheide zu fällen!

Tadel für die Betreiberin

Tadeln muss der Samichlaus hingegen die Axpo, die sich weiterhin weigert, den Tatsachen in die Augen zu sehen. Ihr Verhalten ist insofern verständlich, als die Axpo erst vor einigen Jahren rund 700 Mio. CHF in die Nachrüstung des Werks investiert hat und für diese Investitionen wenigstens einen Teil des Geldes wieder einspielen will. Zudem hat der Stillstand der Anlage seither weitere Verluste von über 300 Mio. CHF generiert. Doch es ist für den Samichlaus kein Zeichen von Stärke, wenn überfällige Entscheide «Systemzwängen» untergeordnet werden. Gerade von der grössten Energieversorgerin des Landes, die zu 100% der Bevölkerung gehört, kann erwartet werden, dass sie endlich Verantwortung übernimmt und den überalterten Problemreaktor stilllegt.

Nächstes Jahr besser machen

Ins Gewissen redet der Samichlaus auch der Politik. Der gesetzliche Grundsatz «Weiterbetrieb solange sicher» erweist sich im Umgang mit dem ältesten AKW-Park der Welt zunehmend als ungenügend. Der Gesetzgeber bewirkt damit im Fall Beznau, dass die Verantwortung wie eine heisse Kartoffel weitergereicht wird, und verhindert einen geordneten Ausstieg aus der Atomenergie. Eine Regelung analog der «2 year outage» in Frankreich, welche für AKW nach zwei Jahren Stillstand den Entzug der Betriebsbewilligung vorsieht, könnte auf einfache Art und Weise Abhilfe schaffen. Der Samichlaus wünscht sich von der Politik, dass sie im nächsten Jahr die Probleme angeht und nicht weiter negiert.

 

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