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Nein zur Eigenmietwert-Abschaffung: Energie- und Klimapolitik würde geschwächt

Marcel Tobler,

Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) empfiehlt ein Nein zur Vorlage über den Systemwechsel bei der Wohneigentumsbesteuerung. Der Grund: Mit der Abschaffung des Eigenmietwerts würden auch zentrale steuerliche Abzüge für energetische Sanierungen gefährdet – ein Rückschritt mit negativen Folgen für die Energie- und Klimapolitik der Schweiz.

Rund ein Drittel des Energieverbrauchs und der CO₂-Emissionen in der Schweiz entstehen im Gebäudebereich. Energetische Sanierungen sind deshalb eine der wirkungsvollsten Massnahmen für die Klimaziele und die nachhaltige Energienutzung.

Heute stellen steuerliche Abzüge ein zentrales Investitionssignal dar: Hauseigentümer:innen, die ihre Gebäude energetisch sanieren, profitieren direkt finanziell. Jährlich fliessen so 150 bis 200 Millionen Franken in Sanierungen. Mit der geplanten Abschaffung des Eigenmietwerts entfiele dieser Anreiz.

Gefährliche Kumulation: Förderprogramme und Steuerabzüge gleichzeitig in Gefahr

Besonders problematisch ist die zeitliche Koinzidenz mit weiteren Abbauplänen. Im Rahmen des Entlastungspakets 2027 will der Bundesrat das Gebäudeprogramm zusammenstreichen; rund 400 Millionen Franken will er bei diesem nachweislich erfolgreichen Programm jährlich einsparen. Damit würden zwei der wichtigsten Treiber für Gebäudesanierungen gleichzeitig entfallen. Für die Energiewende im Gebäudebereich wäre dies ein doppelter Rückschritt.

Nach wie vor werden in der Schweiz mehr als 900’000 Wohnbauten mit Öl-, Gas- oder Elektroheizungen beheizt – ein grosser Teil davon muss energetisch saniert werden. Will die Schweiz ihre Klimaziele bis 2050 erreichen, müssen verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, statt Anreize zu energetischen Sanierungen abzuschaffen und erfolgreiche Förderprogramme zu streichen.

Konsequenzen: Stillstand statt Fortschritt

Ohne steuerliche Abzüge und Fördergelder drohen gleich mehrere negative Effekte:

  • Rückgang der Sanierungsrate: Eigentümer:innen haben weniger Anreize, in Dämmungen oder erneuerbare Heizsysteme zu investieren.
  • Mehr Winterstrombedarf: Schlecht isolierte Gebäude benötigen mehr Heizenergie, was die bereits angespannte Versorgung im Winter weiter verschärft.
  • Gefährdung der Klimaziele: Ohne Sanierungsfortschritte sind die CO₂-Ziele im Gebäudebereich und das Netto-Null-Ziel nicht erreichbar.
  • Investitionsunsicherheit: Planende, Baugewerbe und Energiebranche verlieren wichtige Rahmenbedingungen für langfristige Projekte.

Steuerliche Anreize als Schlüssel für die Energiewende im Gebäudebereich

Die SES hält fest: Die Schweiz kann es sich nicht leisten, in der Gebäudepolitik Rückschritte zu machen. Die Vorlage zum Systemwechsel bei der Wohneigentumsbesteuerung schafft Unsicherheit, schwächt Investitionsanreize und konterkariert die Klimapolitik.
Darum empfiehlt die SES klar Nein zur Abschaffung des Eigenmietwerts.

Nadine Masshardt

Präsidentin Schweizerische Energie-Stiftung

044 275 21 21, info@energiestiftung.ch



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