Fossile Heizungen schrittweise verbieten

Der Gebäudebereich ist hinsichtlich CO2-Reduktion verhältnismässig fortschrittlich. Dafür sorgen Anreize wie CO2-Abgabe und Gebäudeprogramm. Doch auf Zielpfad ist der Gebäudesektor gleichwohl nicht. Es muss schneller und umfassender gehen. Bei Neubau und Heizungsersatz dürfen nur noch erneuerbare Heizungsanlagen installiert werden.

Von Florian Brunner*

Der Gebäudesektor ist für rund einen Viertel der Treibhausgas-Emissionen der Schweiz verantwortlich. Die CO2-Statistik zeigt einen anhaltenden Abwärtstrend der Emissionen aus Brennstoffen, der Sektor hat die Zwischenziele bislang immer erreicht, auch dank der CO2-Abgabe auf Brennstoffe und dem Gebäudeprogramm. So weit so gut, doch auf Zielpfad ist auch der Gebäudesektor nicht. Es geht zu langsam. Eine neue Heizung hat eine Lebensdauer von 20 Jahren. Heutige Fehlentscheide – sprich der Einbau von fossilen Heizungen – haben aus Klimasicht verheerende Wirkung.

Fossil-Verbot als zusätzliches Mittel

Ein Blick in die Praxis bestätigt den klimaschädigenden Missstand. In der Stadt Zürich, wo das Stimmvolk mit grosser Mehrheit der 2000-Watt-Gesellschaft zugestimmt hat, wird beim Heizungsersatz zu über 80 % wiederum ein fossiles System gewählt. Schweizweit werden in der Hälfte bis zu zwei Dritteln der Fälle wieder fossile Heizungssysteme installiert.1 Anreize alleine reichen offensichtlich nicht aus. Fehlinvestitionen in Öl- und Gasheizungen liegen aber nicht mehr drin, um die in Paris beschlossenen Klimaziele zu erreichen. Bei Neubau oder Ersatz gilt es deshalb konsequent Heizungssysteme mit erneuerbarer Energie einzusetzen. Die Technologien hierfür sind vorhanden. Um die gesetzten Klimaziele zu erreichen, braucht es notwendigerweise ein Verbot von fossilen Heizsystemen.

Abschied von fossilen Heizungen in Basel...

Fossil betriebene Heizungen sind keine zeitgemässe Technologie mehr, auch nicht bei Sanierungen. Der Kanton Basel-Stadt hat dies bereits im Jahr 2016 vorbildlich umgesetzt. Eine fossil betriebene Heizung kann nur dann wieder durch ein fossiles System ersetzt werden, wenn technische Gründe oder sehr hohe Mehrkosten gegen ein erneuerbares System sprechen. Ein solches Gesetz schafft Klarheit und bewirkt, dass sich der Heizungspark innert der nächsten 20 Jahre in Richtung fossilfrei entwickeln kann.

...und in Zürich?

Als Alternative zum Basler Modell haben ETH-Wissenschaftler den REDEM-Absenkpfad entwickelt und im Jahr 2016 als Initiative eingereicht (REDEM-Initiative für klimafreundliche Gebäude im Kanton Zürich). Die Initiative gibt verpflichtende CO2-Grenzwerte für Gebäude vor, die mittels langfristigem Fahrplan für die Dekarbonisierung des Gebäudeparks sorgen. Jeder Gebäudebesitzer kann damit seine eigene, nachhaltige Heizlösung wählen, sofern die jeweils geltenden CO2-Grenzwerte eingehalten werden. Rund 50 Wissenschaftler haben die Einzelinitiative von Niklaus Haller unterschrieben. Die Initiative des Architekten verlangt, dass der Kanton Zürich den zulässigen Schadstoffausstoss von neuen Heizungen innert 18 Jahren Schritt für Schritt auf Null reduziert.

Gebot der Stunde

So oder so ist es ein Gebot der Stunde, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass bei jedem Heizungswechsel erneuerbare Technologien verwendet werden. Investitionen in Öl- und Gasheizungen können wir uns angesichts der Klimaerhitzung nicht mehr leisten.

Nachgefragt bei Niklaus Haller, Initiant der REDEM-Initiative

Quellen:

  1. Lehmann, Meta: Wieso nicht erneuerbar heizen? In: HK-Gebäudetechnik 8/18, S. 10–12.

*Der Autor

Florian Brunner

Florian Brunner
Leiter Fachbereich Klima

Tel. 044 275 21 24
Mail: florian.brunner@energiestiftung.ch
Twitter: @flo_brunn

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