energiestiftung.ch energiestiftung.ch Forum → Forumsbeitrag

Wie viel Energie braucht der Mensch?

Marionna Schlatter,

Die politische Debatte über Energie und Klima kreist fast immer um Technik: mehr Kraftwerke, mehr Speicher, mehr Netzausbau, mehr Effizienz. Das ist alles unbestritten wichtig, klammert aber die eigentliche Frage aus: wie viel Energie wir überhaupt brauchen und wofür.

Neben Erneuerbaren-Ausbau und Effizienzsteigerung bildet die Suffizienz die dritte Säule der Energiepolitik. Der Weltklimarat benennt sie in seinem jüngsten Bericht erstmals als ein zentrales Klimaschutzinstrument.

Suffizienz ist dort wirksam, wo wir Energie nicht nur effizienter verbrauchen, sondern weniger davon benötigen. Im Gebäudebereich etwa steckt enormes Potenzial. Dank Vorschriften und Programmen von Kantonen und Bund ist es trotz Bevölkerungs- und Flächenwachstum gelungen, den Raumwärmebedarf von Gebäuden im Vergleich zu 1990 um 21 Prozent und die CO₂-Emissionen um 46 Prozent zu senken.

Doch dieser Erfolgskurs ist in Frage gestellt: Mit der Abschaffung des Eigenmietwerts fallen die Steuerabzüge für energetische Sanierungen weg. Darüber hinaus will der Bundesrat mit dem Sparpaket nun noch das Gebäudeprogramm streichen – also jenes Programm, das Wohneigentümer:innen finanziell unterstützt, damit teure Sanierungen rascher realisiert werden. Nicht nur die Energiedirektor:innen der Kantone warnen vor diesem «unverhältnismässigen» Schritt.

Sanierte und gut geplante Gebäude bedeuten mehr Wohnqualität mit weniger Energieverschwendung. Nicht verbrauchte Energie müssen wir weder teuer importieren noch mit zusätzlichen Kraftwerken produzieren. Das stärkt die Versorgungssicherheit, macht die Schweiz unabhängiger von Rohstoffen aus dem Ausland, spart Milliarden – und reduziert das geopolitische Risiko.

Marionna Schlatter

Nationalrätin, Grüne
Mitglied der Umwelt- und Energie-Kommission UREK



Zurück