Schlüsseltechnologie für ein erneuerbares Stromsystem
Marcel Tobler,

Bild: Batteriespeicher in Mels (SG) mit einer Kapazität von 13,4 MWh (49Komma8)
Die europäische Stromversorgung befindet sich im Umbau. Erneuerbare Energieerzeugungsanlagen bringen neben vielen Vorteilen auch Herausforderungen mit sich. Mit dem beschleunigten Ausbau der Photovoltaik steigt der Anteil wetterabhängiger Produktion deutlich an. Sie lässt sich nur bedingt dem Verbrauch anpassen, was zu Über- bzw. Unterproduktionen führt. Bei ungenügender Speicherkapazität drohen Engpässe und Ineffizienzen.
Hier kommen Batteriespeicher ins Spiel. Sie reagieren blitzschnell, regeln präzise, arbeiten effizient und sind beliebig skalierbar. Ihre Einsatzfelder reichen von der Frequenzregelung über Schwarzstartfähigkeit und unterbrechungsfreie Stromversorgung bis hin zur Spitzenkappung und zum Stromhandel. Sie entlasten Netze, senken Kosten und helfen dabei, Strom dann verfügbar zu machen, wenn er benötigt wird.
Schweizweit wurden seit 2017 Batteriespeicher mit einer Kapazität von 120 Megawattstunden (MWh) installiert. Dazu haben wir von 49Komma8 in den letzten zwei Jahren 50 MWh beigetragen. Aktuell arbeiten wir an acht neuen Projekten mit einer Kapazität von über 320 MWh. Unsere bestehenden und geplanten Speicherstandorte verteilen sich auf acht Kantone in der ganzen Schweiz. Bereits heute übernehmen unsere Systeme netzdienliche Aufgaben wie Frequenzstützung, helfen bei Schwarzstart und werden künftig auch die dezentrale Versorgung stabilisieren. Dafür arbeiten wir eng mit Energieversorgern, Netzbetreibern und Technologiepartnern zusammen.
Was es dafür braucht? Einen freien Markt ohne Preisdeckel oder Fördergelder. Batteriespeicher können ohne Lenkung wirtschaftlich betrieben werden. Institutionelle Investoren engagieren sich zunehmend in diesem Bereich, da die Marktvolatilität attraktive Erlösmöglichkeiten schafft. Marktpreise müssen sich an Angebot und Nachfrage orientieren und dürfen nicht politisch gesetzt werden. Eingriffe wie der Preis-Cap im Sekundärregelenergiemarkt hingegen schaffen Unsicherheit und setzen falsche Anreize.
Nur unter verlässlichen Bedingungen entstehen neue Geschäftsmodelle im Speichermarkt – von Netzdienstleistungen über kurzfristigen Stromhandel bis hin zur Eigenbedarfsoptimierung in lokalen Elektrizitätsgemeinschaften (LEG), die gleichzeitig Regelenergie bereitstellen, PV-Stromzwischenspeichern und Netzspitzen abfedern. Dafür braucht es klare Regeln, Planungssicherheit und politische Unterstützung auf allen Ebenen.