Ungerechtfertigte Panikmache: Auf die Stromlücke folgt die Netzlücke

Bundesrätin Doris Leuthard hat ihre Ablehnung gegenüber dem geordneten Atomausstieg mit Unterstützung der CEO von Swissgrid und BKW dargelegt. Mit fadenscheinigen Argumenten versuchen Bundesrat und Atomwirtschaft die Umsetzung der Initiative als Problem darzustellen. Die Versorgungssicherheit kann energie- wie netzseitig jederzeit gewährleistet werden. Die temporär erhöhten Stromimporte sind nicht zwingend umweltbelastender als der Schweizer Atomstrom. Im Gegenteil: Die Schweiz kann sogar auf 100% erneuerbaren Import-Strom setzen. Längerfristig hilft die Atomausstiegsinitiative dem Klima.

Heute Morgen hat Bundesrätin Doris Leuthard zusammen mit Vertretern der Atomwirtschaft ihre Argumente gegen die Atomausstiegsinitiative vorgestellt. Neben BKW-CEO Suzanne Thoma war auch Swissgrid-CEO Yves Zumwald anwesend – beides Vertreter der Atomwirtschaft, betreibt doch die BKW das AKW Mühleberg und die Swissgrid gehört vorwiegend den AKW-Betreibern Axpo, Alpiq und BKW.

Nach der Stromlücke soll es die „Netzlücke“ richten
Vor Fukushima hat die Atomwirtschaft jahrelang eine Stromlücke herbeigeredet, um ihre Pläne für neue AKW in der Schweiz zu rechtfertigen. Heute ist klar: der Ausbau der erneuerbaren Energien in Europa wurde massiv unterschätzt. Alleine Deutschland exportiert fast den Jahresbedarf der Schweiz und gemäss der deutschen Regierung liegt die überschüssige Kraftwerkskapazität in Europa bei 100 GW. Das ist fast 30-Mal so viel wie die gesamte Schweizer AKW-Leistung. Es wird in Europa also weder an Leistung noch an Energie fehlen.

Deshalb wird nun die neue Netzlücke konstatiert, um den geordneten Atomausstieg zu verhindern: SES-Geschäftsleiter Jürg Buri: «Es ist absurd, dass das Abschalten der drei kleinen AKW per Ende 2017 am Stromnetz scheitern soll. Es geht nur um 15% der Stromproduktion» Die Schweiz hat das dichteste, leistungsfähigste und am besten integrierte Netz Europas. Letzten Sommer hat das Netz den Ausfall von allen fünf Reaktoren bewältigt, und diesen Winter wird nur die halbe AKW-Leistung zur Verfügung stehen. Beznau 1 und Leibstadt sind wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet.

Swissgrid hat im letzten Winter selber gezeigt, wie es geht
Im Winter 2015/16 konnte eine angebliche Engpasssituation dank marktseitigen Massnahmen seitens Swissgrid problemlos gemanagt werden. Das Problem waren zwei unplanmässig ausgefallene Altreaktoren, fehlende Transformatoren sowie der starke Export der Schweizer Wasserkraft ins Ausland. Gemäss Swissgrid wird in Beznau diesen Winter ein Ersatz-Transformator gebaut. Zudem ist die Branche auf den Wegfall der kleinen AKW vorbereitet und weiss, wie die Wasserkraft marktseitig im Land gehalten werden kann. Damit werden wir bei Umsetzung der Initiative im Winter 2017/18 in einer besseren Situation sein als im Winter 2015/16.

In der Schweiz stehen Wasserkraftwerke mit über 8 GW Leistung, die auf der 220kV-Ebene einspeisen. Diese können den Ausfall der drei 220-kV-AKW Mühleberg, Beznau 1 und 2 (Gesamtleistung 1,1 GW) übernehmen, sofern nicht genügend Strom von der Höchstspannungsebene transformiert werden kann. Dies gilt auch fürs Bernbiet, wo das AKW Mühleberg revisionsbedingt regelmässig still steht.

Atomausstieg ist problemlos umsetzbar
Jürg Buri «Die Panikmache ist ungerechtfertigt. Dank einheimischer Wasserkraft und dem dichtesten Netz Europas sind wir in einer komfortablen Situation. Der geordnete Atomausstieg ist technisch problemlos umsetzbar und führt langfristig zu einer verbesserten Versorgungssicherheit.» Alte Reaktoren sind störungsanfällig und ein dezentrales System ist grundsätzlich stabiler, weil der Ausfall einer einzelnen Komponente weniger gravierend ist.

Temporäre Importe müssen nicht dreckiger als CH-Atomstrom sein
Es ist möglich, dass wir mit der Ausstiegsinitiative ab Winter 2017/18 für einige Jahre mehr Strom importieren müssen, als wir das heute bereits tun. Dieser Importstrom muss nicht, wie heute behauptet wurde, dreckiger sein, als Atomstrom. Denn der Importstrom wird dank der zügigen Wende in Europa immer umweltfreundlicher und klimaschonender. Dies übrigens auch dank den Auslandsinvestitionen der Schweizer Stromfirmen. Sie verfügen mittlerweile über eine Ökostromproduktion (v.a. Wind, Wasser und Sonne) von mehr als zwei AKW Mühleberg. Als weitere Lösung für saubere Importe bieten sich auch Ökostrom-Zertifikate an, welche per sofort zu geringem Aufpreis einen Umstieg auf 100% Ökostrom ermöglichen. Jürg Buri: «Die Ausstiegsinitiative ist auch für das Klima ein Gewinn. Sie führt zu einem zügigen und verbindlichen Umstieg auf klimaschonende erneuerbare Energieträger.»

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Ungerechtfertigte Panikmache: Auf die Stromlücke folgt die Netzlücke

Bundesrätin Doris Leuthard hat ihre Ablehnung gegenüber dem geordneten Atomausstieg mit Unterstützung der CEO von Swissgrid und BKW dargelegt. Mit fadenscheinigen Argumenten versuchen Bundesrat und Atomwirtschaft die Umsetzung der Initiative als Problem darzustellen. Die Versorgungssicherheit kann energie- wie netzseitig jederzeit gewährleistet werden. Die temporär erhöhten Stromimporte sind nicht zwingend umweltbelastender als der Schweizer Atomstrom. Im Gegenteil: Die Schweiz kann sogar auf 100% erneuerbaren Import-Strom setzen. Längerfristig hilft die Atomausstiegsinitiative dem Klima.

Heute Morgen hat Bundesrätin Doris Leuthard zusammen mit Vertretern der Atomwirtschaft ihre Argumente gegen die Atomausstiegsinitiative vorgestellt. Neben BKW-CEO Suzanne Thoma war auch Swissgrid-CEO Yves Zumwald anwesend – beides Vertreter der Atomwirtschaft, betreibt doch die BKW das AKW Mühleberg und die Swissgrid gehört vorwiegend den AKW-Betreibern Axpo, Alpiq und BKW.

Nach der Stromlücke soll es die „Netzlücke“ richten
Vor Fukushima hat die Atomwirtschaft jahrelang eine Stromlücke herbeigeredet, um ihre Pläne für neue AKW in der Schweiz zu rechtfertigen. Heute ist klar: der Ausbau der erneuerbaren Energien in Europa wurde massiv unterschätzt. Alleine Deutschland exportiert fast den Jahresbedarf der Schweiz und gemäss der deutschen Regierung liegt die überschüssige Kraftwerkskapazität in Europa bei 100 GW. Das ist fast 30-Mal so viel wie die gesamte Schweizer AKW-Leistung. Es wird in Europa also weder an Leistung noch an Energie fehlen.

Deshalb wird nun die neue Netzlücke konstatiert, um den geordneten Atomausstieg zu verhindern: SES-Geschäftsleiter Jürg Buri: «Es ist absurd, dass das Abschalten der drei kleinen AKW per Ende 2017 am Stromnetz scheitern soll. Es geht nur um 15% der Stromproduktion» Die Schweiz hat das dichteste, leistungsfähigste und am besten integrierte Netz Europas. Letzten Sommer hat das Netz den Ausfall von allen fünf Reaktoren bewältigt, und diesen Winter wird nur die halbe AKW-Leistung zur Verfügung stehen. Beznau 1 und Leibstadt sind wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet.

Swissgrid hat im letzten Winter selber gezeigt, wie es geht
Im Winter 2015/16 konnte eine angebliche Engpasssituation dank marktseitigen Massnahmen seitens Swissgrid problemlos gemanagt werden. Das Problem waren zwei unplanmässig ausgefallene Altreaktoren, fehlende Transformatoren sowie der starke Export der Schweizer Wasserkraft ins Ausland. Gemäss Swissgrid wird in Beznau diesen Winter ein Ersatz-Transformator gebaut. Zudem ist die Branche auf den Wegfall der kleinen AKW vorbereitet und weiss, wie die Wasserkraft marktseitig im Land gehalten werden kann. Damit werden wir bei Umsetzung der Initiative im Winter 2017/18 in einer besseren Situation sein als im Winter 2015/16.

In der Schweiz stehen Wasserkraftwerke mit über 8 GW Leistung, die auf der 220kV-Ebene einspeisen. Diese können den Ausfall der drei 220-kV-AKW Mühleberg, Beznau 1 und 2 (Gesamtleistung 1,1 GW) übernehmen, sofern nicht genügend Strom von der Höchstspannungsebene transformiert werden kann. Dies gilt auch fürs Bernbiet, wo das AKW Mühleberg revisionsbedingt regelmässig still steht.

Atomausstieg ist problemlos umsetzbar
Jürg Buri «Die Panikmache ist ungerechtfertigt. Dank einheimischer Wasserkraft und dem dichtesten Netz Europas sind wir in einer komfortablen Situation. Der geordnete Atomausstieg ist technisch problemlos umsetzbar und führt langfristig zu einer verbesserten Versorgungssicherheit.» Alte Reaktoren sind störungsanfällig und ein dezentrales System ist grundsätzlich stabiler, weil der Ausfall einer einzelnen Komponente weniger gravierend ist.

Temporäre Importe müssen nicht dreckiger als CH-Atomstrom sein
Es ist möglich, dass wir mit der Ausstiegsinitiative ab Winter 2017/18 für einige Jahre mehr Strom importieren müssen, als wir das heute bereits tun. Dieser Importstrom muss nicht, wie heute behauptet wurde, dreckiger sein, als Atomstrom. Denn der Importstrom wird dank der zügigen Wende in Europa immer umweltfreundlicher und klimaschonender. Dies übrigens auch dank den Auslandsinvestitionen der Schweizer Stromfirmen. Sie verfügen mittlerweile über eine Ökostromproduktion (v.a. Wind, Wasser und Sonne) von mehr als zwei AKW Mühleberg. Als weitere Lösung für saubere Importe bieten sich auch Ökostrom-Zertifikate an, welche per sofort zu geringem Aufpreis einen Umstieg auf 100% Ökostrom ermöglichen. Jürg Buri: «Die Ausstiegsinitiative ist auch für das Klima ein Gewinn. Sie führt zu einem zügigen und verbindlichen Umstieg auf klimaschonende erneuerbare Energieträger.»

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