Replik auf die Medienmitteilung des Nuklearforums

Das Nuklearforum hat auf die Medienmitteilung der Schweizerischen Energie-Stiftung zur Präsentation des WNISR 2016 von Mycle Schneider ihrerseits eine Medienmitteilung verfasst. Die SES sieht sich deshalb zu einer Richtigstellung ermuntert.

Das Nuklearforum verweist in seiner Medienmitteilung vom 22. November 2016 auf verschiedene Prognosen, die die Wichtigkeit der Atomenergie auch in Zukunft begründen würden. Dabei übersieht das Forum jedoch, dass der Report keine Prognose ist, sondern eine Analyse des Status Quo und der Entwicklung in den vergangenen Jahre. Bisher fehlen Anzeichen, die eine Kehrtwende ankündigen würden.

Auf Grund des fehlenden Neubaus nimmt das Durchschnittsalter der in der Welt betriebenen Reaktoren immer weiter zu. Während einige Länder, darunter Belgien, Deutschland, Taiwan sowie Kalifornien, sechst-größte Wirtschaftsmacht der Welt, eine aktive Ausstiegspolitik betreiben, findet global eine Art organischer Ausstieg statt. Gibt es keine Verjüngung, stirbt jede Technologie irgendwann aus. Auch die folgenden Punkte unterstreichen, dass die Schweiz bei einem Erfolg der Initiative zum geordneten Atomausstieg keineswegs gegen den Strom schwimmen würde, sondern sich allenfalls an die Spitze der Länder setzen wird, die bereits heute mehr Strom aus Erneuerbaren als aus der Atomspaltung erzeugen, darunter drei der vier größten Wirtschaftsnationen der Welt: China, Deutschland und Japan. Einige Fakten zum organischen Ausstieg:

China und der Rest der Welt: Atomenergie
• 13 der 20 Betriebsaufnahmen von neuen AKW in 2015-16 waren in China.
• Ohne den 30% Zuwachs in China ist die Atomstromproduktion 2015 weltweit gesunken.
• 7 der 9 neuen AKW-Baustellen, die 2015-16 begonnen wurden, sind in China.

Rekordwerte schon lange her
• Die höchste Atomstromproduktion: 2006
• Die meisten Reaktoren in Betrieb:
    - weltweit: 2002
    - in der Europäischen Union: 1988
• Der höchste Anteil an der Stromproduktion: 1996
• Die meisten Reaktoren im Bau: 1979
• Die höchste Anzahl an Baustarts: 1976

Fukushima Effekt: Beschleunigung des Abwärtstrends
• Neubaubeginn von 15 Reaktoren 2010 auf zwei in 2016.
• Reaktoren im Bau von 67 Ende 2013 auf 55 Ende November 2016.
• Bis auf ein pakistanisches AKW gingen alle 2015-2016 in Betrieb genommenen Reaktoren vor Fukushima in Bau.
• Neben der Schweiz haben viele andere Länder alle Neubaupläne begraben, darunter Chile, Indonesien, Taiwan und Vietnam.
• Die meisten verbleibenden Projekte sind Luftschlösser ohne konkrete, abgesicherte Finanzierungspakete und Realisierungsperspektiven.

China und der Rest der Welt: erneuerbare Energien
• China, wie auch Indien, produziert mehr Strom durch Windenergie alleine als durch Atomkraftwerke.
• China hat in zwei Jahren die Investitionen in Erneuerbare auf über 100 Milliarden Dollar verdoppelt.
• Japan hat bereits 56% seines 2010 erzeugten Atomstroms durch Effizienz und Erneuerbare wettgemacht. Der nationale Stromverbrauch ist seit Fukushima dank Effizienzmassnahmen um 12% gesunken.

Faktenzusammenstellung von Mycle Schneider, Hauptautor des World Nuclear Industry Status Report 2016

 

Weitere Informationen:

Nils Epprecht

Nils Epprecht
Projektleiter Strom & Atom

Tel. 044 275 21 25
Mail: nils.epprecht@energiestiftung.ch
Twitter: @nepprecht

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Replik auf die Medienmitteilung des Nuklearforums

Das Nuklearforum hat auf die Medienmitteilung der Schweizerischen Energie-Stiftung zur Präsentation des WNISR 2016 von Mycle Schneider ihrerseits eine Medienmitteilung verfasst. Die SES sieht sich deshalb zu einer Richtigstellung ermuntert.

Das Nuklearforum verweist in seiner Medienmitteilung vom 22. November 2016 auf verschiedene Prognosen, die die Wichtigkeit der Atomenergie auch in Zukunft begründen würden. Dabei übersieht das Forum jedoch, dass der Report keine Prognose ist, sondern eine Analyse des Status Quo und der Entwicklung in den vergangenen Jahre. Bisher fehlen Anzeichen, die eine Kehrtwende ankündigen würden.

Auf Grund des fehlenden Neubaus nimmt das Durchschnittsalter der in der Welt betriebenen Reaktoren immer weiter zu. Während einige Länder, darunter Belgien, Deutschland, Taiwan sowie Kalifornien, sechst-größte Wirtschaftsmacht der Welt, eine aktive Ausstiegspolitik betreiben, findet global eine Art organischer Ausstieg statt. Gibt es keine Verjüngung, stirbt jede Technologie irgendwann aus. Auch die folgenden Punkte unterstreichen, dass die Schweiz bei einem Erfolg der Initiative zum geordneten Atomausstieg keineswegs gegen den Strom schwimmen würde, sondern sich allenfalls an die Spitze der Länder setzen wird, die bereits heute mehr Strom aus Erneuerbaren als aus der Atomspaltung erzeugen, darunter drei der vier größten Wirtschaftsnationen der Welt: China, Deutschland und Japan. Einige Fakten zum organischen Ausstieg:

China und der Rest der Welt: Atomenergie
• 13 der 20 Betriebsaufnahmen von neuen AKW in 2015-16 waren in China.
• Ohne den 30% Zuwachs in China ist die Atomstromproduktion 2015 weltweit gesunken.
• 7 der 9 neuen AKW-Baustellen, die 2015-16 begonnen wurden, sind in China.

Rekordwerte schon lange her
• Die höchste Atomstromproduktion: 2006
• Die meisten Reaktoren in Betrieb:
    - weltweit: 2002
    - in der Europäischen Union: 1988
• Der höchste Anteil an der Stromproduktion: 1996
• Die meisten Reaktoren im Bau: 1979
• Die höchste Anzahl an Baustarts: 1976

Fukushima Effekt: Beschleunigung des Abwärtstrends
• Neubaubeginn von 15 Reaktoren 2010 auf zwei in 2016.
• Reaktoren im Bau von 67 Ende 2013 auf 55 Ende November 2016.
• Bis auf ein pakistanisches AKW gingen alle 2015-2016 in Betrieb genommenen Reaktoren vor Fukushima in Bau.
• Neben der Schweiz haben viele andere Länder alle Neubaupläne begraben, darunter Chile, Indonesien, Taiwan und Vietnam.
• Die meisten verbleibenden Projekte sind Luftschlösser ohne konkrete, abgesicherte Finanzierungspakete und Realisierungsperspektiven.

China und der Rest der Welt: erneuerbare Energien
• China, wie auch Indien, produziert mehr Strom durch Windenergie alleine als durch Atomkraftwerke.
• China hat in zwei Jahren die Investitionen in Erneuerbare auf über 100 Milliarden Dollar verdoppelt.
• Japan hat bereits 56% seines 2010 erzeugten Atomstroms durch Effizienz und Erneuerbare wettgemacht. Der nationale Stromverbrauch ist seit Fukushima dank Effizienzmassnahmen um 12% gesunken.

Faktenzusammenstellung von Mycle Schneider, Hauptautor des World Nuclear Industry Status Report 2016

 

Weitere Informationen:

Nils Epprecht

Nils Epprecht
Projektleiter Strom & Atom

Tel. 044 275 21 25
Mail: nils.epprecht@energiestiftung.ch
Twitter: @nepprecht

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