Erdbebengefährdung der AKW: Nachgerüstet wird am St. Nimmerleinstag

Seit 1999 werden Gefährdungsannahmen für Erdbeben in den Schweizer AKW revidiert. Das ENSI hat heute bekanntgegeben, dass die AKW-Betreiber erneut bis 2020 Zeit für die Sicherheitsnachweise erhalten. Nachgerüstet ist dann jedoch noch immer nicht. Wider besseren Wissens: Erdbeben sind mithin die grösste Gefahr für eine Kernschmelze in Schweizer AKW. Die heute publizierten Ergebnisse zeigen, dass die Gefährdung noch höher liegt, als nach Fukushima angenommen. Die Taktik der Betreiber, kostspielige aber sicherheitsrelevante Nachrüstungen möglichst bis zur Stilllegung aufzuschieben, findet eine erfolgreiche Fortsetzung.

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI rühmt bei jeder Gelegenheit das hohe Niveau der Studien, die den Erdbebengefährdungsannahmen in Schweizer AKW zugrunde liegen. Viel entscheidender ist jedoch, dass den Worten bis heute kaum Taten folgen mussten. Das ENSI geht erneut auf die Forderungen der Betreiber ein und räumt ihnen insgesamt vier weitere Jahre für die Erbringung der Sicherheitsnachweise ein. Ein nun bereits 17-jähriges Verfahren wird damit weiter verschleppt. Zeit, die die wirtschaftlich klammen Betreiber bitter gebrauchen können, um kostspielige Nachrüstungen weiter hinauszuschieben.

Schwierige Beurteilung der Gefährdungsannahmen
Immerhin liegen die Gefährdungsannahmen nun endlich in einer Verfügung vor. Deren Wert objektiv zu beurteilen ist schwierig: Stillschweigeklauseln oder die Abhängigkeit der involvierten ExpertInnen von den Auftraggebern verunmöglichen praktisch eine offene Debatte. Nils Epprecht, SES-Projektleiter Strom & Atom, meint dazu: «Wir haben nun nach 17 Jahren endlich eine Verfügung. Doch in der Frage ob sie etwas taugt, sind wir auf Gedeih und Verderben der Beurteilung des ENSI ausgeliefert.» Gerade der Fakt, dass Erdbeben mithin die grösste Gefahr für Schweizer AKW darstellen, würde ein hohes öffentliches Vertrauen in das Verfahren bedingen. Eine Bedingung, die mit der unzureichenden Kommunikation seitens des ENSI und der Übungsanlage mit den Betreibern als Studienauftraggebern nicht eingehalten wird.

Die PEGASOS-Chronik (.pdf)

Weitere Informationen

Nils Epprecht

Nils Epprecht
Projektleiter Strom & Atom

Tel. 044 275 21 25
Mail: nils.epprecht@energiestiftung.ch
Twitter: @nepprecht

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Erdbebengefährdung der AKW: Nachgerüstet wird am St. Nimmerleinstag

Seit 1999 werden Gefährdungsannahmen für Erdbeben in den Schweizer AKW revidiert. Das ENSI hat heute bekanntgegeben, dass die AKW-Betreiber erneut bis 2020 Zeit für die Sicherheitsnachweise erhalten. Nachgerüstet ist dann jedoch noch immer nicht. Wider besseren Wissens: Erdbeben sind mithin die grösste Gefahr für eine Kernschmelze in Schweizer AKW. Die heute publizierten Ergebnisse zeigen, dass die Gefährdung noch höher liegt, als nach Fukushima angenommen. Die Taktik der Betreiber, kostspielige aber sicherheitsrelevante Nachrüstungen möglichst bis zur Stilllegung aufzuschieben, findet eine erfolgreiche Fortsetzung.

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI rühmt bei jeder Gelegenheit das hohe Niveau der Studien, die den Erdbebengefährdungsannahmen in Schweizer AKW zugrunde liegen. Viel entscheidender ist jedoch, dass den Worten bis heute kaum Taten folgen mussten. Das ENSI geht erneut auf die Forderungen der Betreiber ein und räumt ihnen insgesamt vier weitere Jahre für die Erbringung der Sicherheitsnachweise ein. Ein nun bereits 17-jähriges Verfahren wird damit weiter verschleppt. Zeit, die die wirtschaftlich klammen Betreiber bitter gebrauchen können, um kostspielige Nachrüstungen weiter hinauszuschieben.

Schwierige Beurteilung der Gefährdungsannahmen
Immerhin liegen die Gefährdungsannahmen nun endlich in einer Verfügung vor. Deren Wert objektiv zu beurteilen ist schwierig: Stillschweigeklauseln oder die Abhängigkeit der involvierten ExpertInnen von den Auftraggebern verunmöglichen praktisch eine offene Debatte. Nils Epprecht, SES-Projektleiter Strom & Atom, meint dazu: «Wir haben nun nach 17 Jahren endlich eine Verfügung. Doch in der Frage ob sie etwas taugt, sind wir auf Gedeih und Verderben der Beurteilung des ENSI ausgeliefert.» Gerade der Fakt, dass Erdbeben mithin die grösste Gefahr für Schweizer AKW darstellen, würde ein hohes öffentliches Vertrauen in das Verfahren bedingen. Eine Bedingung, die mit der unzureichenden Kommunikation seitens des ENSI und der Übungsanlage mit den Betreibern als Studienauftraggebern nicht eingehalten wird.

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