Brexit: ByeBye Hinkley Point C?

Der Austritt Grossbritanniens aus der EU stellt die Realisierung des AKW-Neubauprojekts Hinkley Point C in Frage. Ein Kommentar von SES-Projektleiter Strom & Atom Nils Epprecht.

Der Brexit ist in aller Munde – wohl auch deshalb, weil die Konsequenzen des EU-Austritts Grossbritanniens noch in vielen Belangen unabsehbar sind. Ein Aspekt der bisher eher weniger Beachtung fand, betrifft die Energiepolitik im Allgemeinen und die Rolle der Atomkraft im Speziellen. Denn Bestandteil des EU-Vertrags bildet auch der so genannte EURATOM-Vertrag, Fundament der europäischen Atomwirtschaft und Zugang zu einem teilweise erklecklichen Topf an Fördergeldern.

Mit dem Austritt steht es der englischen Regierung nun offen, staatliche Subventionen in jeglicher Höhe an das AKW zu entrichten und damit von EU-Regeln abzuweichen. Aufgrund der unrentablen Marktpreise und immer höher werdenden Investitionskosten ist das Neubauprojekt jedoch ohnehin bereits in Schieflage geraten und es ist fraglich, ob es ohne Unterstützung aus der EU noch eine Überlebenschance hat. EDF, das französische Staatsunternehmen, das mit dem Bau von Hinkley Point C beauftragt ist und erhebliche Eigenmittel garantiert hat, liess zwar bereits verlautbaren, weiterhin am Projekt festzuhalten. Gleichzeitig könnte der Brexit auch für Frankreich zu einer eleganten Hintertür aus einem Deal werden, der längst eine sowohl für Frankreich als auch Grossbritannien unangenehme, da unkontrollierbare finanzielle Eigendynamik entwickelt hat.

Übrigens: Auch beim EURATOM-Vertragswerk hat die Schweiz den bilateralen Weg beschritten und ist damit zwar nicht Mitglied, kooperiert aber in diversen Bereichen mit der EU. Ob Grossbritannien denselben Weg beschreiten kann, wird nicht alleine auf diesem Feld entschieden.

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Weitere Informationen

Nils Epprecht

Nils Epprecht
Projektleiter Strom & Atom

Tel. 044 275 21 25
Mail: nils.epprecht@energiestiftung.ch
Twitter: @nepprecht

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Brexit: ByeBye Hinkley Point C?

Der Austritt Grossbritanniens aus der EU stellt die Realisierung des AKW-Neubauprojekts Hinkley Point C in Frage. Ein Kommentar von SES-Projektleiter Strom & Atom Nils Epprecht.

Der Brexit ist in aller Munde – wohl auch deshalb, weil die Konsequenzen des EU-Austritts Grossbritanniens noch in vielen Belangen unabsehbar sind. Ein Aspekt der bisher eher weniger Beachtung fand, betrifft die Energiepolitik im Allgemeinen und die Rolle der Atomkraft im Speziellen. Denn Bestandteil des EU-Vertrags bildet auch der so genannte EURATOM-Vertrag, Fundament der europäischen Atomwirtschaft und Zugang zu einem teilweise erklecklichen Topf an Fördergeldern.

Mit dem Austritt steht es der englischen Regierung nun offen, staatliche Subventionen in jeglicher Höhe an das AKW zu entrichten und damit von EU-Regeln abzuweichen. Aufgrund der unrentablen Marktpreise und immer höher werdenden Investitionskosten ist das Neubauprojekt jedoch ohnehin bereits in Schieflage geraten und es ist fraglich, ob es ohne Unterstützung aus der EU noch eine Überlebenschance hat. EDF, das französische Staatsunternehmen, das mit dem Bau von Hinkley Point C beauftragt ist und erhebliche Eigenmittel garantiert hat, liess zwar bereits verlautbaren, weiterhin am Projekt festzuhalten. Gleichzeitig könnte der Brexit auch für Frankreich zu einer eleganten Hintertür aus einem Deal werden, der längst eine sowohl für Frankreich als auch Grossbritannien unangenehme, da unkontrollierbare finanzielle Eigendynamik entwickelt hat.

Übrigens: Auch beim EURATOM-Vertragswerk hat die Schweiz den bilateralen Weg beschritten und ist damit zwar nicht Mitglied, kooperiert aber in diversen Bereichen mit der EU. Ob Grossbritannien denselben Weg beschreiten kann, wird nicht alleine auf diesem Feld entschieden.

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